Jecke Sprünge in Hamm
Akrobatische Showeinlagen, funkelnde Kostüme und jede Menge Frohsinn: Die Sachsenhalle in Hamm wurde am Wochenende in ein Tanzsportparadies für alle Karnevalsfreunde verwandelt. Denn zum 19. Mal fand hier das Benno-Willeke Tanzsportturnier für Tanzmariechen, Garden, Schautänzer und Tanzpaare statt.
Knapp 1400 Teilnehmer fegten am Samstag und Sonntag über das Parkett der Sporthalle und beeindruckten die 7-köpfige Jury mit ausgefeilten Choreographien, waghalsigen Sprüngen und aufwendig geschneiderten Kostümen. Aus ganz Deutschland waren die tanzbegeisterten Karnevalisten angereist, um sich im westfälischen Hamm für das Halbfinale der Deutschen Meisterschaften (Nord und Süd) vom Bund Deutscher Karneval zu qualifizieren.
„Die Ansprüche sind dabei sehr hoch“, erklärt Klaus Knipp, Jury-Obmann vom Turnier. „Es werden nicht nur die passende Musikauswahl und die korrekte Ausführung der Tanzschritte bewertet. Es sollen auch möglichst viele unterschiedliche Tanzelemente wie Spagate, Räder und verschiedene Sprünge gezeigt werden.“ Um diesen Anforderungen gerecht werden zu können, muss lange geübt werden. Durchschnittlich zwei- bis dreimal die Woche, jeweils für mehrere Stunden , trainieren die Leistungssportler ihre Choreographien.
Insgesamt 100 Tanzformationen gingen am Wochenende an den Start. Geprüft wurde in vier Disziplinen: Paartanz, Tanzmariechen, Gardetanz und Schautanz, jeweils in drei verschiedenen Altersgruppen: Jugend (6-11 Jahre), Junioren (12-15 Jahre) und Tänzer ab 16. Jahren. Da war es schon eine organisatorische Meisterleistung vom Ausrichter des Turniers, der Karnevalsgemeinschaft Grün-Weiß Hamm, alles reibungslos unter einen Hut zu bekommen.
Fast 20 Stunden lang mussten Schritte begutachtet, Kostüme bewertet, Neuankömmlinge begrüßt und eingewiesen werden. Doch nach der Feuerprobe im vergangenen Jahr, war die KG Hamm für ihr zweites großes Tanzsportturnier mehr als gut gewappnet. "Mit rund 50 Helfern und einem ganzen JahrVorbereitungszeit konnte gar nichts mehr schief gehen", lacht Organisatorin Gerda Schulz. So wurde sogar der Zeitplan eingehalten und am Sonntagabend gegen 20 Uhr freuten sich 13 weitere Tänzer aus ganz Deutschland über ihre Qualifikation zu den Halbfinalen der Deutschen Meisterschaften (Nord und Süd) Mitte März in Trier und Düren.
Von Christine Heinrichs
Funkenmariechen Sarah Kellermann
Karneval - Das bedeutet viele bunt verkleidete Menschen, Muzenmandeln, Rosenmontagszüge und natürlich Funkenmariechen. Mit Dreispitz, langen Zöpfen, Uniformjacke und Petticoat wirbeln sie alljährlich über die Bühne und sorgen für Festtagslaune unter den Karnevalisten. Doch was so leicht und mühelos aussieht, ist harte Arbeit. Unsere iVerein-Reporterin Christine Heinrichs hat sich beim Benno-Willeke-Tanzsportturnier in Hamm mit dem 17-jährigen Funkenmariechen Sarah Kellermann getroffen und sich mit ihr über den harten Trainingsalltag und die Liebe zum Tanzsport unterhalten.
Sarah, du tanzt hier heute um den Einzug zu den Norddeutschen Meisterschaften, trotzdem wirkst du relativ ruhig. Bist du gar nicht aufgeregt?Doch ein wenig natürlich schon. Aber auf der anderen Seite kenne ich die Abläufe mittlerweile auch schon. Ich tanze jetzt seit 10 Jahren bei der Karnevalsgemeinschaft Grün-Weiß Hamm und wir sind sehr viel unterwegs. Mindestens 10 Turniere in der ganzen Bundesrepublik besuchen wir im Jahr. Da gewöhnt man sich an den Stress.
Wie muss man sich das denn als Außenstehender vorstellen. Welche Vorbereitungen trefft ihr, bevor es aufs Parkett geht und ihr die Jury überzeugen müsst?Also vor der Prüfung vergehen schon so drei bis vier Stunden, die man alleine zur Vorbereitung braucht. Das fängt bei der Anfahrt an, dann muss man sich schminken, umziehen, warm machen und sich aufeinander „einschwören“. In der Regel hat jede Tanzgruppe ihren eigenen Motivationsspruch, der wird dann laut gerufen und dann geht es auch erst auf die Bühne.
Das klingt ja ziemlich begeistert. Wie bist du denn überhaupt auf das Hobby „Funkenmariechen“ gekommen?Meine große Schwester war vor mir schon in der Tanzgruppe der KG Grün-Weiß Hamm. Durch sie bin ich überhaupt erst auf den Sport aufmerksam geworden und dann einfach dabei geblieben. Es hat mir Spaß gemacht, weil es so abwechslungsreich ist. Vor allem das Touren durch ganz Deutschland, wenn wir zu den Turnieren fahren, macht unheimlich Spaß.
Gibt es denn irgendwelche Erfolge, auf die du besonders stolz bist?Also spontan würde ich da die Norddeutschen Meisterschaften nennen, bei denen wir schon den zweiten und dritten Platz geholt haben. Aber grundsätzlich macht eigentlich jedes Turnier sehr viel Spaß und man freut sich auch immer, wenn man einen der vorderen Plätze belegt. Nicht nur, wenn es die Norddeutschen Meisterschaften sind.
Wie viel musst du denn die Woche über trainieren, damit du fit genug bist, um auf solchen wichtigen Turnieren starten zu können?Ich trainiere zweimal die Woche mit der Garde und habe zusätzlich einmal die Woche Einzeltraining. Insgesamt dauert so ein Training zweieinhalb Stunden. Das hört sich jetzt viel an, aber es macht halt einfach Spaß und ist kein Stress. Ich habe auf jeden Fall vor, das noch so lange wie möglich weiter zu machen.